Die besten Apps zum Zeichnen auf Handy und Tablet
Acht Editoren für verschiedene Aufgaben: von der kostenlosen App mit tausend Pinseln bis zum kostenpflichtigen iPad-Standard. Mit einem ehrlichen Hinweis, wo die Antwort vom Gerät abhängt.
Zeichnen ist die Kategorie, in der die Wahl der App am wenigsten von der Funktionsliste abhängt und am meisten von zwei Dingen: womit man zeichnet und worauf.
Hier entscheidet das Gerät mehr als sonst
In den meisten Kategorien sind Apps plattformübergreifend und die Gerätefrage stellt sich kaum. Hier nicht: Procreate, die Antwort auf die Frage, womit man auf einem Tablet zeichnet, existiert ausschließlich auf Apple-Geräten. Eine Android-Version gibt es nicht und ist nicht geplant, und auf dem iPhone erledigt das eine eigene kostenpflichtige App.
Die ehrliche Antwort auf «welche ist die beste» lautet also: Wer ein iPad und einen Apple Pencil hat, nimmt Procreate; wer etwas anderes hat, liest weiter. Das ist keine Ausflucht, sondern die Form des Marktes.
Finger, Stift und Papier sind drei verschiedene Aufgaben
Mit dem Finger sinkt die Genauigkeit und der Druck wird nicht übertragen. Die Hälfte dessen, was teure Editoren bieten, hängt am Stift; ohne ihn schrumpft der Abstand zum kostenlosen Sketchbook fast auf null.
Mit Stift beginnen Neigung, Druck und Latenz der Leinwand zu zählen — genau dafür kauft man Procreate.
Auf Papier ändert sich die Aufgabe vollständig: Das Telefon wird zum Projektor, der die Kontur über das Blatt legt. Das sind andere Apps und ein anderer Artikel.
Was nicht in dieser Auswahl steht
Ausmalen nach Zahlen. Die Store-Suche nach «zeichnen» liefert sie zuerst, und nach Installationszahlen schlagen sie jeden echten Editor. Sie sind aber ein Spiel und kein Werkzeug, und beides in eine Liste zu mischen würde in die Irre führen.
Bildgeneratoren. Sie zeichnen an Ihrer Stelle; hier geht es ums Selberzeichnen.
Ein Hinweis für Leser außerhalb des deutschsprachigen Raums: Die Verfügbarkeit unterscheidet sich je nach Store. Adobe Fresco etwa wird im russischen App Store gar nicht angeboten, weshalb unsere russischsprachige Auswahl es nicht enthält. Den eigenen Store zu prüfen, bevor man mit einer App plant, kostet dreißig Sekunden.
Passt zu: die meisten Anfänger, die noch nicht wissen, womit sie zeichnen wollen
Dafür
- Über tausend Pinsel, vom Bleistift bis zur Aquarelltextur
- Werkzeuge für Anime und Manga — Perspektive, Symmetrie, Screentones
- Zeitraffer des Malvorgangs entsteht automatisch
Dagegen
- Werbung schaltet Pinsel nur zeitweise frei
- Dichte Oberfläche mit kleinen Schaltflächen, auf dem Handy schlechter
- Ein Teil der Werkzeuge hängt an einem Abo
Die beste erste Wahl gerade wegen der Fülle: Beim Ausprobieren merkt man, was man braucht. Wer es weiß, dem beginnt die Fülle zu stören.
Passt zu: alle, die ernsthaft auf dem iPad zeichnen und Abos meiden
Dafür
- Die Leinwand bleibt bei Dutzenden Ebenen am Stift dran
- Apple Pencil vollständig unterstützt, ohne Einrichtung
- Einmalkauf statt Abo
Dagegen
- Keine Android-Version und keine geplant
- Auf dem iPhone eine eigene kostenpflichtige App, Procreate Pocket
- Keine Testversion
Das Referenzwerkzeug mit harter Bedingung: nur Apple, nur gegen Geld. Ohne Stift verschwindet die halbe Stärke, der Preis bleibt.
Passt zu: alle, die eine saubere Leinwand ohne Kaufaufforderungen wollen
Dafür
- Voller Werkzeugsatz kostenlos, ohne jede Werbung
- Zwischen den Versionen ändert sich nichts
- Panels lassen sich ausblenden, die Leinwand füllt den Bildschirm
Dagegen
- Dutzende Pinsel, nicht Tausende
- Keine Spezialisierung — kein Manga, kein Vektor, keine Animation
- Für texturierte Malerei zu wenig
Der einzige hier, der nichts verlangt und durch nichts unterbricht. In allem gleich gut und in nichts das Beste — fürs tägliche Skizzieren reicht das.
Passt zu: alle, die das Medium simuliert haben wollen, nicht nur den Pinsel
Dafür
- Lebende Aquarell- und Ölpinsel, die bei Berührung verlaufen
- Vektor und Pixel auf derselben Leinwand
- Dateien öffnen sich in Photoshop mit intakten Ebenen
Dagegen
- Adobe-Konto auch in der Gratisversion Pflicht
- Volle Pinselbibliothek und Cloud kosten
- Lebende Pinsel fordern ältere Tablets
Das Nächste an echter Farbe in dieser Liste. Konto und Cloud fügen Schritte hinzu, die spürbar sind, wenn man nur eine Linie ziehen wollte.
Passt zu: Schemata, Pläne und Skizzen, die noch geändert werden
Dafür
- Ein Strich bleibt ein Objekt — später verschiebbar und umfärbbar
- Leinwand ohne Ränder, der Gedanke stößt an keinen Blattrand
- Vektor vergrößert sich ohne Qualitätsverlust
Dagegen
- Ein Pinselstrich lässt sich in Vektor nicht abbilden
- Teil der Pinsel und Ebenen hinter Abo oder Kauf
- Der Ansatz stört Maler ab der ersten Ebene
Werkzeug für Planer, nicht für Künstler. Unverzichtbar für Interieur, Interface oder Schema; nutzlos für ein Bild.
Passt zu: Comic und Manga, besonders über mehrere Geräte hinweg
Dafür
- Kennt Seite und Doppelseite, nicht nur die Leinwand
- Cloud zwischen Telefon, Tablet und Rechner
- Fertige Hintergründe, Raster und Schriften für Dialoge
Dagegen
- Altersfreigabe 12+ wegen der gemeinsamen Nutzergalerie
- Ein Teil der Funktionen verlangt ein Konto, Projekte liegen fremd
- Verliert bei den Pinseln gegen ibis Paint
Der einzige hier, der ein mehrseitiges Projekt versteht. Für einzelne Illustrationen ist all das totes Gewicht.
Passt zu: alle, denen wichtig ist, dass Farben sich wirklich mischen
Dafür
- Der Strich verschmilzt mit der Ebene darunter
- Perspektivhilfen einstellbar und dauerhaft
- Dieselbe Version auf beiden Plattformen
Dagegen
- Deutlich kleinere Community als ibis Paint
- Niedrigere Bewertung als die Nachbarn dieser Liste
- Voller Satz hinter einem Abo
Enge Spezialisierung: Der ganze Vorteil steckt im Strich. Für Linie und Skizze bringt es nichts gegenüber dem kostenlosen Sketchbook.
Passt zu: Einzelbildanimation statt Standbilder
Dafür
- Zwiebelhaut — der vorherige Frame scheint durch den aktuellen
- Zeitleiste mit Ebenen und Tonspur
- Am Ende steht ein fertiges Video
Dagegen
- Wenige Pinsel, kaum Farbarbeit
- Werbung und Ebenenlimit in der Gratisversion
- Als Bildeditor schwächer als alles hier
Kein Konkurrent zum Rest, sondern eine Ergänzung: Frames dort zeichnen, wo es bequem ist, die Bewegung hier zusammensetzen.